Ricarda Essrich

Angebote von ausländischen Bietern wünschenswert

13. Dezember 2016 | (1) Kommentare

Gesammelte Informationen zu schwedischen Bauregelungen. Terminologie, Dokumentation und Angebote auf Englisch. Kleinere Teilaufträge statt großer Totalaufträge. Dies sind nur einige der Wünsche von ausländischen Bauunternehmen, die auf dem schwedischen Bausektor aktiv werden wollen. So stellt es ein aktueller Bericht des Verbandes der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften SABO.

Schweden braucht in den nächsten Jahren 710.000 neue Wohnungen. 75.000 neue Wohnungen sollen bis 2020 gebaut werden. Doch da die Kapazitäten der schwedischen Baufirmen begrenzt sind, ist der Wettbewerb um die Bauten groß und das Preisniveau hoch. Schweden verzeichnet die höchsten Baupreise der EU.

Der Verband der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften SABO (Sveriges Allmännyttiga bostadsföretag) investiert viel in die Verbesserung der Kapazitäten, indem bei nicht-skandinavischen Bauunternehmen das Interesse für den schwedischen Wohnungsbau geweckt werden soll. Doch auch wenn viele ausländische Akteure gewillt sind, so sind die Hindernisse viel zu hoch. 2015 hat kein einziges ausländisches Bauunternehmen Wohnungen in diesem Sektor gebaut.

„Um den gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern, brauchen wir mehr und bessere Angebote. Es muss mehr Konkurrenz geben, damit die Preise runtergehen. Eine Möglichkeit ist, es ausländischen Unternehmen zu erleichtern, Aufträge in Schweden zu übernehmen‟, so Jonas Högset, bei SABO verantwortlich für den Neubau.

Im Bericht „Erleichterungen für ausländische Unternehmen", den SABO in Auftrag gegeben hat, wird festgestellt, dass viele der Mitglieder von SABO von fehlender Konkurrenz in ihren Ausschreibungen berichten. Meist gehen nur 1‒2 Angebote ein, nicht selten auch gar keine.

„So bietet sich natürlich keine günstige Verhandlungsposition, wenn man Wohnungen bauen möchte‟, stellt der Verfasser des Berichts, der Journalist Fredrik Karlsson, fest.

Seine Aufgabe war es, sieben ausländische Bauunternehmen u.a. aus Polen und dem Baltikum, die an der Schwelle zum schwedischen Baumarkt stehen, bzgl. der bestehenden Hindernisse und der möglichen Erleichterungen zu interviewen.

Die Unternehmen forderten gesammelte, leicht zugängliche Informationen auf Englisch. Auch Ausschreibungsunterlagen, Verträge und Dokumentationen sollten auf Englisch vorliegen. Ein Wunsch bestand auch darin, dass die Regierungen in den skandinavischen ländern an gemeinsamen Bauregelungen arbeiten sollten.

Ebenfalls wünschenswert sei es für die befragten Bauunternehmen, wenn Aufträge so aufgeteilt würden, dass auch Unternehmen, die keinen Totalauftrag ausführen könnten, an einer Ausschreibung teilnehmen können. Das käme auch kleineren einheimischen Unternehmen zugute. Bisher werden Projekte bevorzugt als Totalaufträge ausgeschrieben ‒ mehr als 80 % der Neubauprojekte wurden einer Untersuchung der schwedischen Wettbewerbsbehörde zufolge als Totalauträge ausgeschrieben.

Ergebnisse

Die folgenden 13 Vorschläge stellen eine Zusammenfassung der von den befragten Bauunternehmen geäußerten Verbesserungswünsche dar:

  1. Deutliche Erläuterungen und Informationen zu Branchen- und Fachverbänden 
  2. Informationen auf Englisch über Lohnniveaus, Regelungen zum Arbeitsschutz und Personalfragen.
  3. Gemeinsame Bauregelungen aller skandinavischen Länder
  4. Positivere Einstellung gegenüber ausländischen Unternehmen
  5. Offizielle Dokumente von Behörden auf Englisch
  6. Liste (auf Englisch) über alle notwendigen Formulare und Anträge, die notwendig sind, um in Schweden zu bauen
  7. Keine Verwendung von schwedischen, nicht international anerkannten Abkürzungen in Ausschreibungsunterlagen
  8. Akzeptanz von Fachkenntnissen aus anderen Ländern z.B. im Gerüstbau, bei Kranfahrern etc.
  9. Erleichterung der Verwendung von Materialien und Werkzeugen, die nicht aus Schweden sind
  10. Akzeptanz eines englischsprechenden Baustellenleiters
  11. Angebotsunterlagen und Korrespondenz auf Englisch
  12. Aufteilung von Aufträgen, damit auch kleinere Unternehmen teilnehmen können
  13. Liste der zur Verfügung stehenden Subunternehmer

Quelle: Byggvärlden.se
Bild: Fotolia/slavun

 

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Kommentare

Ja Wohnungsnot ist ein großes Thema auch in Wien. Man versucht auch Objekte zu sanieren und mehr Wohnungen dort unterzubringen.

Jemand von einer Baufirma (http://www.koenig-heinrich.at/sanierung) hat mir erzählt, das es so viele Aufträge momentan gibt Wohnungen zu bauen und zu sanieren und trotzdem sind es zu wenige. Das ist eigentlich echt unglaublich!

Otto Harscher am Freitag, 30. März 2018 um 12:23 PM

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